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Das hier ist mein Outing- Teil 2

Aktualisiert: 15. Juli

Der erste Tag meiner Akzeptanz


ungeschönt.mitpmdsleben


Ich wusste nichts über PMDS, bis meine beste Freundin sich vor mehr als dreieinhalb Jahren damit outete. Erst dann habe ich das erste Mal überhaupt davon gehört.


Wir hatten uns schon vorher öfter darüber unterhalten, wie es uns geht, wie es mir manchmal geht. Kennengelernt habe ich sie in ihren Räumen, ich war bei ihr in Workshops und später in ihrem Coaching. Da hatte ich ihr schon von meinem Tracking erzählt: dass ich meinen Zyklus tracke, den Sex und den Streit mit meinem damaligen Partner, weil das immer so krass eskaliert ist. Immer zur gleichen Zeit. Aber wir hatten beide damals einfach keine Ahnung von PMDS.


Und dann, vor dreieinhalb Jahren, hörte ich es zum ersten Mal. Und es schoss mir sofort bis ins Mark. Als sie erzählte, was PMDS ist, was die Symptome sind, was sie mit ihr machen und wie sie sich damit fühlt. Wie sie damit lebt. All das stand nirgends. Nicht auf einer Google-Seite, nicht auf irgendeiner Website, nicht auf irgendeinem Instagram-Profil. Klar, du kannst die Symptome googeln oder eine KI danach fragen. Du kannst ganz genau nachlesen, dass es eine zyklische, chronische Erkrankung ist, die damit zu tun hat, wie dein Gehirn auf die Hormonschwankungen deines natürlichen Zyklus als biologische Frau reagiert. Aber das ist etwas anderes, als es aus dem Mund eines Menschen zu hören, den du liebst.


Plötzlich waren diese vier Buchstaben Teil meines Lebens.


Denn meine beste Freundin ging von Anfang an sehr offen damit um. Jedes Mal, wenn sie davon erzählte. Jedes Mal, wenn sie berichtete. Jedes Mal, wenn sie darüber sprach und wir uns unterhielten und ich Fragen stellte, lief eine Spur in mir ab, die sagte: "Svenja, das kennst du doch auch. Es ist doch genau das Gleiche mit dir. Überleg doch mal. Hallooo?!" Aber es ging ja nicht um mich. Es ging um meine Freundin und ihre PMDS.


Wenn sie in unterschiedlichen Räumen davon erzählte, habe ich so oft geweint. Nicht nur, weil es mich so sehr berührt hat, weil das, was sie sagt, wie sie es beschreibt, direkt mitten in mein Herz geht. Sondern, und das habe ich erst im Nachhinein verstanden, weil ich es nicht nur mitfühlen konnte. Ich konnte es fühlen. Ich wusste genau, wovon sie redet, wenn sie erzählte, dass auf einmal irgendjemand daherkommt, und es ist, als würde dir jemand das Licht ausknipsen. Du sitzt dann auf einmal in einem dunklen Raum. Allein. Ganz allein. Du kannst nicht mehr sehen. Du kommst nicht mehr raus. Du weißt einfach nicht mehr weiter.


Es waren nicht nur ihre Worte, die mich berührten. Es war die Gewissheit in mir, in meinem Körper: Ich wusste, dass ich es auch habe.


Es hat noch etwa zwei Jahre gedauert, bis ich wieder, wie so oft, mit ihr am Küchentisch saß und wir quatschten. Ich erzählte, wie es mir ging. Dass ich schon wieder nicht gut geschlafen hatte, meine Schlafstörungen. (Spoiler: auch das sind PMDS-Symptome.) Und dass es bestimmt daran lag, dass ich mein Magnesium gewechselt hatte.


Meine Freundin hat bis dahin nicht viel dazu gesagt. Die ganze Zeit nicht. Sie hat mich einfach sein lassen. Sie hat nicht gesagt: "Oh mein Gott, du hast PMDS!" Obwohl sie es wahrscheinlich schon sehr oft gedacht hat. Sie hat mich all die Jahre einfach sein lassen, und wir haben trotzdem weiter miteinander gesprochen. Wir haben uns schon damals Bilder geschickt, an Tagen, an denen es uns nicht gut ging. Sie war ja da schon "out" mit ihrer PMDS. Ich nicht. Und trotzdem habe ich den Zusammenhang nicht sofort gesehen. Oder noch nicht sehen können. Oder wollen. Wahrscheinlich beides.


Ein Funfact am Rande: Die Symptome von PMDS lassen sich zum Teil fast eins zu eins mit ADHS und Hypervigilanz übereinanderlegen. Und bevor ich wusste, dass es PMDS ist, hatte ich deshalb 2022 und 2023 eine ganze Zeit, in der ich dachte, ich hätte ADHS. Ich war absolut überzeugt davon.


Aber dann kam der Moment am Küchentisch.


Sie sagte: "Sag mal, hast du dir schon mal Gedanken gemacht, ob du PMDS hast?Weil alles, was du beschreibst, sind Symptome von PMDS. Alles. Jeden Monat, jetzt wieder. Es liegt mit Sicherheit nicht am Magnesium."

Und dann fing sie an zu erzählen. Von sich. Von ihrer Reise, ihren Gedanken, wie es für sie war und ist. Ich saß da und brach wieder in Tränen aus. Weil ich jedes Wort, alles, was sie sagte, so sehr gefühlt habe.


Das war der erste Tag meiner Akzeptanz. Meiner PMDS. Der Tag, an dem ich es zum ersten Mal laut vor mir selbst und vor meinen Freundinnen Kathrin und Anni aussprach: F***, ich glaube, ich habe PMDS.


Erst letztens, als ich Bilder gesucht habe, um sie auf meinem Instagram-Account zu zeigen, bin ich wieder auf unseren alten Chat gestoßen. Und musste schmunzeln. Heute führen wir noch ähnliche Unterhaltungen. Nur, dass ich heute auch "out" bin mit meiner PMDS.

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